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Mittwoch, 29 Juli 2015 08:24

Auf Kurs mit traditionellen Segelschiffen

 

 

Zunächst faszinierten sie mich in Piratenfilmen und beim Besuch im Museumshafen, wie etwa die Seute Deern in Bremerhaven oder die Rickmer Rickmers in Hamburg, die heute als schwimmende Städtewahrzeichen  Restaurantbetriebe beherbergen. Ohne  je auf einem dieser alten Großsegler mitgefahren zu sein, verspüre ich doch stets eine nicht näher zu bestimmende Unruhe, wann immer ich alte Segelschiffe sehe.
Allesamt gediegene Schönheiten, den Spirit alter Zeiten aus jeder Holzbohle atmend und dabei doch so voller jugendlicher Lebendigkeit.

 

 

Vom Reiz alter Traditionssegler


Vor drei Jahren zur Kieler Woche ankerte die Sedov am Norwegenkai.
Die Dimensionen des Schiffes vor dem Hintergrund städtischer Kulisse, wirkten auf mich fast kolossal. Ich war beeindruckt.
Die besondere Ausstrahlung jedoch, die von alten Segelschiffen für mich ausgeht , erschloss sich daraus aber noch nicht wirklich.
Ist es vielleicht die widersprüchliche Ästhetik, die sich in der „Architektur“ des Schiffes ausdrückt? Der schwere Rumpf, die soliden Masten im Gegensatz zum fast filigran anmutenden Tauwerk.
Kaum vorstellbar, aber Jede der unzähligen Wanten hat  ihren festen Platz und ist unentbehrlich für die Umsetzung von Windkraft in Bewegung.
Die nächste Begegnung mit den majestätischen Seglern ergab sich während eines dreitägigen Törns an Bord eines kleinen Motorseglers, vergangenen Sommer in der Eckernförder Bucht.

Hendrika Loth I

Aus dem Dunst tauchten sie auf, die Loth Lorien, die Swaensborgh und  die Hendrika Bartelds. Zunächst nur schemenhaft aus der Ferne erkennbar, ließen sich nach jeder verstreichenden Minute mehr und mehr Details ausmachen: windgeblähte weiße Segel, die Takelagen und schließlich die Bugspitzen, die wie lange Finger in unsere Richtung zeigten. Sie nahmen Kurs auf unser Boot.
Plötzlich wirkten sie einen Moment lang wie zum Greifen nahe, drehten bei und verschwanden mit zunehmender Entfernung wieder im Dunst…
Welch‘ erhebendes Gefühl, dachte ich,  an Bord eines dieser großen Traditionssegelschiffe ins offene Meer auszulaufen und hautnah erleben zu können, wie ein Segel nach dem anderen gelöst und gesetzt wird – vielleicht sogar aktiv mitzuhelfen.

 

 

Aufbruch ins Weite an Bord eines Tallships


Der Gedanke an salzige Luft und spritzende Gischt  steigert das Verlangen nach Freiheit und Weite, macht einfach nur Lust auf die „Große Fahrt“ vom Spiel der Wellen begleitet, mal leise plätschernd, mal wild tobend.
Die Vorstellung von Wind, der sich in den großen weißen Segeltuchflächen fängt, quietschenden Winden und knarzenden Holzmasten,  entführt meine Fantasie in vergangene Zeiten, lange vor Beginn der Dampfschifffahrt.
Zeiten, in welchen raue Seemannen  Abenteuer bestanden, aus denen Mythen und Legenden gewoben wurden, die heute das Bild der Traditionsschifffahrt so wildromantisch verklären.
Der historische Bezug erklärt sicher die Anfangsbegeisterung  für die traditionelle Segelschifffahrt, die für manchen dann zur Initialzündung für eine Aktivreise auf See wird.
Wer denkt schließlich nicht beim Anblick dieser erhabenen Meereskreuzer an die großen Seefahrer? Entdecker wie Fernao Magellan und Christoph Columbus  oder verwegene Piraten wie Klaus Störtebeker und Sir Henry Morgan.

 

 

Segelreisen auf geschichtsträchtigen Planken


So alt sind die modernen Traditionssegler freilich nicht, haben aber bereits tausende von Seemeilen zurückgelegt. Nicht wenige von ihnen haben zunächst einiges an baulichen und funktionellen Veränderungen erfahren, bevor sie ihre Bestimmung als vollausgestattete Gästeschiffe für den Charter fanden.
Die elegante Swaensborgh etwa, mit ihrer heutigen Länge von 47m, lief im schleswig-holsteinischen Moorege 1907 vom Stapel, trat als Zweimastsegler „Anna“  ihren Dienst einstweilen für die Binnenschifffahrt und im Wattemeer an, war als motorbetriebenes Frachtschiff im Einsatz. Einige Male wurde sie umgebaut und umgetauft.

LothVa

Die 48m lange Dreimast-Barkentine Loth Lorien, die 1907 als „Njord“ in Norwegen vom Stapel lief, versah ihren Dienst zunächst als Logger im Heringsfang.
Auch die Hendrika Bartelds, ein Dreimaster von 49m Länge, begann ihre Karriere 1918 in den Niederlanden zunächst als Heringslogger.
Sie tragen außergewöhnliche Namen wie Pedro DonckerThor HeyerdahlOosterschelde oderAmphitrite und blicken auf bewegte Schiffsleben zurück. 

Gemeinsam ist allen die sichtbare Verbindung von Tradition und Moderne, die gelungene Verschmelzung von Stil, Qualität und Funktionalität, sowie die durchdachte  Verzahnung von Hightech und einfachster Mechanik.

 

 

Mitsegeln auf einem Traditionssegler verheißt Abenteuer und Gemeinschaft


Jenseits des Flairs, das über Film, Literatur und die eigene lebendige Fantasie transportiert wird, gibt es das wirkliche Bordleben, das man nur dann erfahren wird, wenn man aktiv mit von der Partie ist.

Wer erstmal vorsichtig Seeluft schnuppern möchte, der wird nach einem Tagestörn wissen, ob er auch künftig dabei bleibt.
Mehrtagesfahrten oder längere Törns über die Meere bieten da eindeutig größere Herausforderungen, denn steter Begleiter sind die Naturgewalten, die  das Handeln an Bord bestimmen. Die Begegnung mit anderen Menschen und Sichtweisen wird zur wichtigsten Aufgabe, denn  schließlich muss aus der Reisegemeinschaft ein Team werden, das zusammen arbeitet und das  Bordleben teilt.
Kooperation,  Verantwortung, gegenseitige  Hilfe und das Gefühl sich aufeinander verlassen zu können sind für einen reibungslosen Tagesablauf auf See unerlässlich und werden auf einer Segelreise ganz klar gestärkt.

Die Übernahme und Erfüllung  von Pflichten wechselt sich mit Erholung und jede Menge Spaß beim Sonnenbaden, beim Schwimmen im Meer und bei den gemeinsam eingenommenen Mahlzeiten ab.
Die Reise an Bord eines Segelschiffes ist aktiver Urlaub.
Die Reisenden werden zu Trainees, die von einer erfahrenen Stammcrew betreut und angeleitet werden.
Auf Komfort muss niemand verzichten, denn die Schiffe verfügen über moderne und vollausgestattete Interieurs bei bester Verpflegung.

 

 

Wenn Nostalgie auf Moderne trifft …


Wir leben in einer in einer voll technologisierten und digitalisierten Zeit, die einem steigendem wirtschaftlichem Effizienzdruck folgt.
Möglicherweise dürstet es gerade deshalb viele nach greifbaren Herausforderungen, die ein unmittelbares Erleben bieten und nach einem Handeln in Echtzeit verlangen.

Nostalgie, bedeutet verklärte Hinwendung zu Vergangenem. Wissend, dass früher längst nicht alles besser aber vieles wertvoll war, nimmt man die eine oder andere Unwägbarkeit recht gern in Kauf, auch darauf vertrauend, dass sinnvolle Neuerungen der Moderne ein gerüttelt Maß an Sicherheit und Komfort verschaffen.
Ja, möglicherweise schöpft  die „Faszination Tallship“,  aus eben diesem charmanten Rendevous der Gegensätze aus Gestern und Heute.

 

Steuerrad II

 


Dieser Artikel (incl. aller Bilder), ist ursprünglich von Ina Siemssen, auf ihrem Blog lebensskizzen veröffentlicht worden. Wenn ihr mehr lesen wollt, schaut dort vorbei, es lohnt sich! Und auch hier auf nauteo wird es übrigens bald mehr von ihr zu lesen geben.


 

Quelle: Lebensskizzen

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