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Samstag, 25 April 2015 18:46

Tagebuch eines Kadetten - Eintrag 3

 

Die Brückenwachen während der zweiten Woche auf See verliefen alle recht ereignislos. Es gab eine Sturmwarnung in unserem Fahrtgebiet, wir bekamen davon jedoch nichts ab. Ich durfte oft ans Steuer, und lernte erstmals die Arbeit mit klassischen Papierkarten an Bord kennen, die ich bisher nur aus der Seefahrtschule gekannt hatte.

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Karibik ich komme!

Da unsere Isolde relativ klein ist, fehlen leider die Annehmlichkeiten wie Fittnesraum, Basketballplatz oder Fernsehraum, wie sie beispielsweise auf den großen Containerschiffen vorzufinden sind. Dass es an Bord kein Fitnesstudio gibt stellt jedoch keine Hürde dar, bereits an Bord meines letzten Schiffes hatte sich der Koch aus Eisenstangen und großen Eisenmuttern Gewichte geschraubt. Nun würden Twistlocks (Eisenblocks zur Befestigung der Container an Deck), verbunden mit Eisenstangen, diese Aufgabe erfüllen.

Die Brückenwachen während der zweiten Woche auf See verliefen alle recht ereignislos. Es gab eine Sturmwarnung in unserem Fahrtgebiet, wir bekamen davon jedoch nichts ab. Ich durfte oft ans Steuer, und lernte erstmals die Arbeit mit klassischen Papierkarten an Bord kennen, die ich bisher nur aus der Seefahrtschule gekannt hatte. Meine letzten Schiffe liefen nur noch mit elektronischen Kartensystemen, welche die antiquiert anmutenden Kartenkorrekturen, die an Bord der Isolde notwendig waren, vermieden. Diese Korrekturen, sowie Änderungen in diversen anderen nautischen Veröffentlichungen, kommen jede Woche in einem dicken Band an Bord. In pingelicher Kleinarbeit müssen diese dann in die Publikationen an Bord eingebaut werden. Also seitenweise Verbesserungen eintragen und teilweise ausschneiden und einkleben. Eine eintönige Aufgabe, aber bis auf weiteres alternativlos.

Strapaziert wurde meine Geduld ohnehin mehr während der Arbeit an Deck. So bin ich zwar nicht pingelich, aber ein Mindestmaß an Gewissenhaftigkeit ist mir dann doch wichtig. Vor allem wenn dadurch zukünftiger Mehraufwand vermieden werden kann. Die Deckarbeit wird jedoch meist eher schludrig erledigt, und die Arbeitszeiten oft vertrödelt. Wenn es dann mal schnell gehen muss wird über Dreck einfach drüber gemalt, ein paar Lashings nicht kontrolliert, oder Werkzeug liegengelassen. Aber das kenne ich schon von anderen Schiffen. Wo keinerlei Identifikation mit Schiff und Firma mehr vorhanden ist, kann man auch nicht mehr erwarten. Ich gab es jedenfalls schnell auf, meinen Kollegen mit meiner deutschen Genauigkeit auf die Nerven zu gehen. Einfach machen nicht denken.

 

Bedeckt war es eher selten
Meistens verbrachten wir die Vormittage in der prallen Sonne, bei Maler- oder wie hier zu sehen Entrostungsarbeiten.
Und während es für mich Nachmittags meist auf die Brücke ging...
Wurde an Deck fleißig weiter gearbeitet
Auch der Ladekran muss gepflegt werden!
Nach einem anstrengenden Arbeitstag wurden wir dann aber meist mit traumhaften Sonnenuntergängen belohnt.

 

Wirklich abenteuerlich wurde es dann als ein nahes Schiff Kontakt aufnahm und unsere Kooperation beim Test seiner Funkausrüstung anforderte. Ich war zur Kartenkorrektur mit dem zweiten Offizier auf der Brücke. Wir mussten lediglich den Empfang einiger Nachrichten bestätigen, was mangels technischer und sprachlicher Kenntnisse unseres ukrainischen Wachoffiziers aber derart chaotisch ablief, dass jeder deutsche Kadett das besser erledigt hätte.

Zudem konnte ich aufgrund mangelhafter Ausbildung der Brückencrew mehrere meiner Trainingseinheiten, die ich als Kadett absolvieren müsste, nicht ausführen. Meist sagten sie dem ukrainischen Kadetten, sie hätten das alles gelernt, aber bereits vergessen. Mir gegenüber wichen sie lieber aus, und verschoben meine eingeforderten Übungen immer weiter in die Zukunft. Ob sie es tatsächlich vergessen oder schlicht nie gelernt haben kann ich nicht beurteilen, aber Fakt ist, dass sich Kosteneinsparungen beim Personal sehr deutlich auf die Ausbildungsqualität auswirken. Der russische Kapitän verdiente in etwa so viel, wie vor einigen Jahren in Informationsblättern des VDR (Verband Deutscher Reeder) für das erste Jahr als Offizier veranschlagt worden war. Lächerlich wenig also für einen Mann der die komplette Verantwortung für millionenschwere Schiffe, ihre Ladung, und die unbezahlbaren Menschenleben an Bord hat. Und im Unglücksfall ggf. zur Verantwortung gezogen wird. Für osteuropäische Verhältnisse mag das aufgrund des deutlich niedrigeren Lohnniveaus angemessen erscheinen, für deutsche Nautiker aber ist das ein Schlag ins Gesicht. Die sinkenden Studierendenzahlen an deutschen Seefahrtschulen tragen dieser Entwicklung Rechnung.

In drei Tagen erreichen wir unseren ersten Hafen in der Karibik, Point Lisas auf Trinidad. Heute standen mal wieder Maler- und Schleifarbeiten in der prallen Sonne auf dem Plan, ein schöner Sonnenbrand muss schließlich gepflegt werden. Vertieft in die Arbeit merkte ich zuerst nur, dass irgend etwas anders ist als sonst, konnte jedoch nicht festmachen was und machte erst einmal weiter. Plötzlich sehe ich direkt neben dem Schiff, wenige Meter von mir entfernt etwas Weißes im Wasser tauchen. Kapitän Vasiljew taucht grinsend auf und zieht weiter seine Bahnen um das Schiff. Wir hatten die Maschine gestoppt, und er nutzte diese Gelegenheit um mitten im Atlantik, meilenweit vom nächsten Land, schwimmen zu gehen. Dazu hat nicht jeder Gelegenheit. Das Wasser sieht verlockend aus, glasklar und durchflutet von hellem Sonnenlicht leuchtet es kristallblau. Und eine Abkühlung wäre jetzt genau das Richtige, die Haut von Schweiß, Dreck und Farbspritzern befreien. Aber dieses Privileg bleibt unserem Schiffsführer vorbehalten. Bis zu unserer Ankunft in Trinidad und Tobago soll das komplette Deck einmal entrostet und neu bemalt sein. In drei Schichten Farbe. Also weitermachen. Und ab und zu neidisch zum Kapitän, der sich kraulend durchs kühle Nass bewegt, schielen. Aber auch an Bord genießt man den Maschinenstopp. Es ist eine der wenigen ruhigen Momente auf den Decks beim Wohnbereich, und wir setzen uns, statt wie normal in die Messe, zur Kaffeezeit aufs Deck. Dabei blicken wir auf den Atlantik, der seit unserem Reisebeginn vor Europa nun bereits einige Grad wärmer geworden ist. Diesem Temperatursteigerung haben wir übrigens auch unseren Stopp zu verdanken. Da unsere Hauptmaschine mit Seewasser gekühlt wird, wirkt sich warmes Wasser schlecht auf die Kühlung aus. Nachdem eine leichte Geschwindigkeitsreduktion am Vormittag nicht die nötige Wirkung erzielt hatte, mussten nun einige Teile des Kühlsystems gewartet werden, was natürlich nur bei ausgeschalteter Hauptmaschine geht. Unser Schiff stellte sich also wegen des fehlenden Vortriebs immer weiter quer zur See, und wir lassen uns Kaffee und Kuchen schmecken, während uns eine angenehm kühle Atlantikbrise um die Nase weht. In der Karibik werden wir diese bei der Arbeit wohl schmerzlich vermissen. Dennoch freue ich mich schon darauf, vor allem, weil ich hoffe, dass ich ein paar Mal Gelegenheit für Landgang bekommen werde. Die Filipinos mieden so gut wie alle karibischen Häfen, und selbst die Ukrainer meinten nachts sollte man, vor allem in Paramaribo, nur mit dem Taxi unterwegs sein. Abgesehen davon, hatte ich tolle Geschichten gehört. Von hübschen Frauen, exzellentem Rum und tollen Stränden. Lange dauert die Reise nicht mehr...

 

Im nächsten Teil erreichen wir endlich die Karibik und unseren ersten Hafen dort: Point Lisas

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