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Montag, 02 März 2015 01:00

Buchempfehlung - Herz der Finsternis

Zum Autor: Joseph Conrad, geboren am 3. Dezember in der heutigen Ukraine, heuerte bereits mit 16 Jahren in Marseille als Seemann an. Seine Eindrücke auf See legen den Grundstein seiner Bücher die er auf englisch verfasste – obwohl er diese Sprache erst mit 21 Jahren erlernte.

"Heart of Darkness", zu deutsch "Herz der Finsternis", zieht seine Inspiration aus Conrads Dienst als Schiffsoffizier an Bord der "Roi des Belges". Mit ihr fuhr er 1890 den Fluss Kongo hinauf, tief in den Urwald des damaligen "Freistaat Kongo" (eine "Privatkolonie" des Belgischen Königs). Während seiner Fahrten mit dem kleinen Flussdampfer erlebte er unzählige Grausamkeiten an Land und Leuten des kolonialen Kongo, die er in seinem Meisterwerk "Herz der Finsternis" verarbeitete.

Die oberflächliche Handlung ist simpel, und errinnert nicht zufällig an Coppolas Film "Apocalypse Now" (sehr empfehlenswert!). Das Drehbuch zum Film basiert auf "Herz der Finsternis", er ändert lediglich das Setting vom kolonialen Afrika in den Vietnamkrieg. Wer den Film also schon kennt wird mindestens den Hauptcharakter eindeutig wiedererkennen.

Doch auch dann lohnt es sich das Buch zu lesen, denn es schafft ohne filmersiche Mittel eine mindestens ebenso dichte Atmosphäre zu schaffen wie der Film. Manch einem wird das Lesen etwas zäh, ich jedoch tauche gerne ein in die Stimmung der Flussfahrt, die von Conrad wortreich gestrickt wird.

Sein Alter Ego in dem Buch, Marlow, ist dem langweiligen Leben Englands entflohen und soll im Auftrag einer Handelsgesellschaft das Kommando über einen Flussdampfer übernehmen. Dieser liegt bei einer Handelsstation im Flussdelta des Kongo. In einem Vorposten angekommen bietet sich ihm ein grausiger Anblick, der wohl sehr nahe an der von Conrad beobachteten Realität in der Kolonie liegt:

"Schwarze Gestalten hockten, lagen, saßen zwischen den Bäumen, lehnten sich gegen die Stämme, krümmten sich am Boden, von dem trüben Licht kenntlich und unsichtbar gemacht, in allen Stellungen des Schmerzes, der Verlassenheit und der Verzweiflung. ... und das hier war der Ort, an dem sich einige der Helfer zurückgezogen hatten, um zu sterben.
Sie starben langsam – es war sehr klar. Sie waren keine Feinde, sie waren keine Kriminelle, sie waren jetzt nichts Irdisches mehr – nur noch schwarze, kranke, verhungernde Schatten, die wirr durcheinander in dem grünen Düster lagen. Sie waren mit völlig legalen Zeitverträgen aus den vielen Schlupfwinkeln der Küste hergebracht worden, und verloren in einer schrecklichen Umgebung, mit unvertrautem Essen gefüttert, wurden sie krank, ineffizient und kriegten endlich die Erlaubnis, wegzukriechen und sich irgendwo hinzulegen. Diese dahinsterbenden Schatten waren frei wie die Luft – und beinah so dünn. Ich erkannte nun allmählich das Glänzen der Augen unter dem Bäumen. Dann als ich nach unten blickte, sah ich ein Gesicht neben meiner Hand. [...]"

In der Handelsstation angekommen erfährt er die Details seines Auftrags – und vor allem seines Zielobjektes. Marlow soll den einstmaligen Vorzeige-Stationsleiter Kurtz aus dem Dschungel holen. Dieser hatte sein Gebiet besonders effizient ausgebeutet und der Handelsgesellschaft Unmengen an Elfenbein geliefert. Die Quelle seines Erfolges liegt jedoch anders als vermutet nicht in dem wirtschaftlichen Geschick, sondern hat weit düsterere Quellen.

Während Marlow immer tiefer in den Urwald eindringt, häufen sich unheimliche Ereignisse und Attacken auf die geschwächte Schiffsmannschaft. Doch das gesamte Ausmaß des Wahnsinns wird erst bei Ankunft Kurtzs Station sichtbar.

"Herz der Finsternis" ist eine Reise in eine düstere Dschungelwelt, die mit Kurtz zum Sinnbild wird für die Dunkelheit im Menschen.

Kein klassischer Seefahrtsroman, aber dennoch sehr lesenswert.

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